Unser Konzept

 

 

Die Stadtteilfarm ist eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit und fördert die persönliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sie liegt am Rande Bremens, direkt am Sodenmattsee in Huchting, umgeben von Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus. 

Die Idee zum Bau der Stadtteilfarm entstand Anfang der 90er Jahre, als deutlich wurde, dass für die Kinder und Jugendlichen Huchtings neue Spiel- und Entwicklungsräume geschaffen werden müssen. Alternativen zum Aufenthalt auf den Straßen des Stadtteils waren nötig.

So wurde im Oktober 1991 im Rahmen der Fernsehreihe „Jetzt oder Nie“ die Stadtteilfarm als Anlaufstelle und Aufenthaltsort geschaffen, auf der seither Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, ihre Zeit sinnvoll in der Natur zu verbringen und miteinander in Kontakt zu treten.

Der Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit lag von Anfang an in der Begleitung acht bis 14-jähriger Jungen und Mädchen, die zunehmend weniger Platz fanden, um sich auszubreiten und ihre Bedürfnisse auszuleben.

Im Laufe der Jahre hat sich die Farm zu einem beliebten Treffpunkt im Stadtteil entwickelt. Menschen aller Altersstufen sind herzlich eingeladen, die Farm während der Öffnungszeiten zu besuchen.

Natur erfahren

Als Stadtteilfarm bieten wir Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten für Naturerfahrungen in allen Jahreszeiten und bei jedem Wetter. Das Farmgelände regt dazu an, draußen aktiv zu sein, in Pfützen zu springen, sich hinter Büschen zu verstecken, zu klettern oder im Sand zu spielen. Die Elemente Wasser, Erde, Feuer, Luft können mit allen Sinnen erfahren werden, z.B. beim Schwimmen im Sodenmattsee, beim Kokeln an der Feuerstelle, beim Buddeln im Garten, beim Ausmisten der Ställe oder beim Beobachten der Vögel am Himmel.

Viele Gäste kommen wegen der Farmtiere aufs Gelände, oft werden sie schon am Farmeingang von den freilaufenden Gänsen lautstark begrüßt. Die Begegnungsmöglichkeiten mit den Tieren sind vielfältig, man kann sie aus der Ferne beobachten, sie berühren, mit ihnen spazieren gehen oder sich fürsorglich um sie kümmern.

Wir arbeiten mit Methoden der Tiergestützten Pädagogik. Diese bezieht sich besonders auf die Unterstützung der emotionalen und sozialen Intelligenz. Durch den Einsatz von Tieren werden neue Erfahrungs- und Erlebnisräume geschaffen, die zusätzlich die Übernahme von Verantwortung und motorische Fähigkeiten fördern. Im Umgang mit den Tieren erleben die Kinder die wirkliche Bedeutsamkeit ihres Handelns. Dies stärkt ihr Selbstwertgefühl, was im Umgang miteinander deutlich zu sehen ist.

Als Stadtteilfarm möchten wir unseren Gästen Wissen zu den Tieren, zur artgerechten Tierhaltung und zu ökologischen Zusammenhängen vermitteln und damit einen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung leisten. Nur wer eine emotionale Bindung zur Natur hat, sie kennt und liebt, wird sie schützen.

Gemeinschaft erleben

Huchting ist ein sehr bunter Stadtteil. Diese Vielfalt zeigt sich auf der Farm. Menschen unterschiedlicher Altersstufen, verschiedener Kulturen, mit vielfältigen Sprachkenntnissen, Kinder aus unterschiedlichen Schulen und Schulstufen, Familien, Alleinerziehende, gesunde Menschen, Menschen mit Krankheitserfahrungen oder Beeinträchtigungen nutzen die Angebote der Stadtteilfarm.

Uns ist es wichtig, dass alle Farmgäste sich auf dem Gelände wohlfühlen. Es geht darum, offen und respektvoll miteinander umzugehen. Am besten gelingt dieses im gemeinsamen Tun, beim Versorgen der Tiere, beim gemeinsamen Kochen und Essen, beim Bauen und Spielen. Natürlich gibt es auch Auseinandersetzungen und Konflikte. Diese müssen geklärt werden. Dabei lernt man, eigene Grenzen zu spüren und zu äußern oder Fehler einzugestehen. Ein klares Regelwerk hilft außerdem Konflikte zu vermeiden.

Gemeinschaft bedeutet auch sich dazu gehörig zu fühlen, ein Teil eines Ganzen zu sein, Anerkennung zu finden und Freundschaften zu schließen. Vielfalt bedeutet voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen. Eine wichtige Voraussetzung für Inklusion und Integration ist außerdem eine Programmgestaltung, die sich an den Bedürfnissen der unterschiedlichen Zielgruppen orientiert.

Es geht um „Beziehungsarbeit“. Es geht um die Beziehungen der Kinder zu den Tieren, zu den anderen Kindern und Jugendlichen, zu den Erwachsenen und zu sich selbst. Damit Beziehungen entstehen können, ist Zeit und Verlässlichkeit erforderlich, denn Zuneigung lässt sich nicht erzwingen oder erkaufen. Die Bedeutung, die die Tiere bei diesen Prozessen haben, ist nicht zu unterschätzen. Sie sind in der Begegnung mit den Kindern urteils- und vorurteilsfrei. Der Mensch wird so angenommen, wie er ist, vorausgesetzt, er geht respektvoll mit den Tieren um.

Verantwortung übernehmen

Das Konzept der Stadtteilfarm bietet Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv in den Farmalltag einzubringen. So tragen sie durch die Mithilfe bei den alltäglichen Aufgaben zur Pflege der Farm und speziell der Tiere bei. Beispiele für solche Aufgaben sind die Tierfütterung inklusive der Leitung und der Protokollführung bei der Futterbesprechung sowie die Mitarbeit beim Ausmisten der Ställe und die Pflege der Gehege. Auch die Unterstützung beim Bewegen der Tiere (Ponys, Esel, Alpakas) sowie beim Tiertraining ist erwünscht. Kinder, die ein besonderes Interesse an diesen Aufgaben haben, können sich zu Tierexpert*innen ausbilden lassen und Verantwortung für einzelne Tierarten übernehmen.

Im Farmalltag gibt es für die Farmkinder viele weitere Möglichkeiten, um Verantwortung zu übernehmen: Mitwirkung bei der Programmentwicklung, Gestaltung von Plakaten für Veranstaltungen, Assistenzen bei Farmführungen, Mitgestaltung von Festen und Projekten, Kochen und Backen für die Gruppe, Getränkeausgabe in der täglichen Teepause, Mithilfe beim Einkaufen und beim Hausputz, Feuer machen und hüten, Mitarbeit im Farmgarten, Mitwirkung bei der Geländepflege und im handwerklichen Bereich.

Die Selbständigkeit der jungen Menschen soll umfassend gefördert werden. Wenn sie Aufgaben und somit Verantwortung übernehmen, erleben sie die Bedeutsamkeit ihres Handelns und bekommen Anerkennung für ihr Engagement. Hierbei kommen auch Methoden der klassischen und systemischen Erlebnispädagogik zum Einsatz.

Das Farmgelände als Lern- und Erlebnisraum

Die Qualitäten eines Raumes haben Einfluss auf das Erleben und Lernen. In unseren handlungs- und erlebnisorientierten Bildungsangeboten spielt dieses eine wichtige Rolle. Als Stadtteilfarm möchten wir unseren Gästen einen Ort bieten, an dem sie ihre Freizeit naturnah verbringen können.

Das Gelände der Farm soll ein Erholungsort im Stadtteil und ein Raum zum Entspannen sein. Gleichzeitig ist das Gelände am Sodenmattsee ein Ort des Forschens und Entdeckens. Kinder erkunden jeden Winkel der Farm. Sie sind in den Büschen unterwegs, beobachten Insekten oder stapfen begeistert durch die Schweinesuhle.

Wir investieren Zeit, Geld und Ideen in die Gestaltung des Geländes. Es soll vielseitig sein. Es soll den Bedürfnissen von Menschen und Tieren gerecht werden. Es soll Begegnungsmöglichkeiten bieten, aber auch Rückzugsort sein. Es soll naturnah bleiben und abwechslungsreich sein. Es bietet Menschen die Möglichkeit, kreativ zu sein, z.B. bei der Gestaltung von Wegen, Gebäuden und Sitzmöglichkeiten. Es soll gut gepflegt sein und doch noch natürlich wild wirken. Eine Herausforderung, an der täglich gearbeitet wird.